19. – 22. Juli 2013, 1. Spieltag/2. Liga

Was? Schon wieder? Fußball, muss das jetzt? Haben wir uns nicht gerade eben noch mit Dietmar Hopps sympathischem kleinen Vorzeigeprojekt darüber gefreut, dass der Erstliga-Traum an der prachtvollen Autobahnabfahrt Sinsheim Süd weitergelebt werden kann? Wo ist meine Sommerpause? Ist auch sie der Kommerzialisierung zum Opfer gefallen? Oder dem Klimawandel? Oder der NSA?

Wir hatten kaum Zeit für willenlos gestreute Gerüchte, für idiotische Dementi, die dann bequem einige Wochen später zurückgenommen werden konnten, es hat ja nicht mal für wirklich spektakuläre Trainerwechsel gereicht – wenn man mal vom zurecht ignorierten Hammer absieht, dass Stefan Ruthenbeck Ralph Hassenhüttl beim VfR Aalen abgelöst hat (wobei in diesem Satz zwischen „Ruthenbeck“ und „Ralph“ ein neuer Name beginnt). Konsequenterweise hatten die Bayern ja schon lange vor Rundenschluss ihre neue Doppel-G-Strategie mit Götze und Guardiola frühzeitig publik gemacht. Wobei das GG auch für eine unfassbar ausufernde Körbchengröße oder für Groß-Gerau stehen könnte. Okay, da ist wohl der Gedanke an das, was uns die Herren Münchner bald auf dem Platz anbieten werden, die ästhetischste Lösung.

Was bleibt aus dieser Paar-Wochen-Pause? Mario Gomez lässt sich zukünftig in italienischen Strafräumen anschießen, die DFL bedankt sich in einem Schreiben an den FCK-Vorstandsvorsitzenden Stefan Kuntz für die tolle Atmosphäre beim Relegationsspiel in Kaiserslautern und verurteilt den Verein einige Wochen später zu einer Geldstrafe, unter anderem wegen Bengalos bei eben dieser Partie. Und Schalke hat den Ticket-Rotznasen mit Karacho in den bisweilen so augebufften Hintern getreten. Wobei sich auch nicht jeder Königsblaue der Kommerzialisierung des Fußballs mit aller Vehemenz entgegenstellt. Bei der unsäglichen Diskussion, ob es denn nun vier oder acht Millionen Euro kostet, Adam Szalai auf die Reservebank im Parkstadion 2.0 setzen zu dürfen, gab es im Schalke-Forum doch etliche Stimmen, die befanden, dass da nun ja auch nicht sooo der Unterschied sei. Und am Ende: „Falls er nicht einschlägt, kostet er uns also nicht mehr als acht Millionen“ – geht doch.

So, jetzt aber gut. Denn nun rollt endlich wieder der Ball. Nicht unterschlagen darf man allerdings: Seit knapp zwei Wochen rollt er schon bei der Waschmaschinen-EM in Schweden. Nationalspielerin Lira Bajramaj sagte übrigens zur viel diskutierten EM-Werbung des ZDF, bei der eine Dame im Schland-Trikot den Ball technisch ansprechend in die Öffnung einer Maschine hebt, den Regler auf „40 Grad“ stellt und anschaltet: „Ich finde den Spot nicht so gut.“ Klar, vermutlich will sie ihrem Verlobten Enis Alushi (1. FC Kaiserslautern) dieses Rollenverständnis gar nicht erst wieder in den Sinn rufen. Weil der sich seinen Kreuzbandriss drei Tage früher geholt hat, hat er sich nämlich vermutlich auch die „Du kannst ja so lange den Haushalt machen“-Rolle gesichert. Deshalb hätte Enis – im Gegensatz zur unbekannten Spielerin im Werbespot (Lira?) – auch daran gedacht, noch Waschmittel einzufüllen.

Jetzt aber: Seit Freitag gibt’s wieder zweite Liga. Ohne den MSV Duisburg. Erstmals seit 1989 galoppiert der MSV – eine Abkürzung, die dem Vater eines Stadionkollegen regelmäßig die Zornesröte ins Gesicht treibt („Verdammt, es heißt Meiderich!“) – nicht in einer der beiden höchsten deutschen Spielklassen. Aus wirtschaftlichen Gründen. Nicht aus sportlichen. Das muss eigentlich gar nicht betont werden, denn: Tradition schießt Tore!!! Im Gegensatz zu Mario Gomez sogar vorsätzlich! Denn könnte die in Wolfsburg, Mainz oder Ingolstadt oft belächelte Tradition dies nicht leisten, die TSG aus dem Jahre 1899 hätte es in der Relegation vermutlich nicht geschafft. So aber zeigte sich: Tradition, egal auf welchem kreativen Weg man sie sich zugelegt hat, zahlt sich aus.

Stattdessen also weiter mit dem SV Sandhausen. Dem ist es tatsächlich dank Neu-Coach Alois Schwartz zuzutrauen, erstmals in seiner Vereinsgeschichte die Zugehörigkeit zur zweiten Liga sportlich zu schaffen.  Nur schade, dass das kaum einer registrieren wird. In kein Erst- oder Zweitligastadion verirrten sich in der abgelaufenen Spielzeit so wenige Zuschauer wie ins Hardtwaldstadion – nicht mal 100.000 in 17 Spielen, das schaffte außer den Sand…häusern (darauf habe ich mich schon die ganze Zeit gefreut) nur der FSV Frankfurt am Bornheimer Hang. Am ersten Spieltag gab’s für den SVS schon mal ein 0:0 vor 3825 ekstatischen Anhängern gegen den VfR Aalen. Noch nie zuvor hatte übrigens ein deutscher Erst- oder Zweitligist in der Meisterschaftsrunde gegen eine von Stefan Ruthenbeck gecoachte Mannschaft punkten können! Glückwunsch!

Irritiert haben uns zum Start am Freitag aber zwei andere Dinge: Warum mussten wir bei Hattrick auf DS…äh…Sport1 bis zur dritten Partie warten, bis endlich die Frage gestellt wurde, die wir so sehnsüchtig erwartet haben: “Wie lange hat der Trainer Kredit?” Zu Alexander Schmidts Glück behielt der neue 60-Präsident Gerhard Mayrhofer aber die Ãœbersicht: “Wir haben gerade mal den ersten Spieltag hinter uns”, stellte er erfreulich nüchtern fest. Und… kurz nachgerechnet… hatte Recht. Erste öffentliche Amtshandlung – in all ihrer Sinnlosigkeit – erfolgreich gemeistert.

Und wie genau funktioniert das Sport1-Alphabet? Nach drei Spielen präsentierte Moderatorin Laura Wontorra die Tabelle und hatte sich angesichts zwölf Teams mit je null Partien schon gefragt, “wie wir jetzt die restlichen zwölf sortieren”. Und präsentierte nicht ohne eine gehörige Portion Stolz in der Stimme die Lösung: “Ganz einfach… nach dem Alphabet.” Hier also der Auszug aus der Sport1-Tabelle von Freitagabend: 5. Arminia Bielefeld, 5. 1. FC Kaiserslautern, 5. 1. FC Köln, 5. VfL Bochum, 5. Energie Cottbus, 5. Karlsruher SC, 5. SpVgg Greuther Fürth, 5. 1. FC Union Berlin, 5. SG Dynamo Dresden, 5. Fortuna Düsseldorf, 5. SC Paderborn, 5. FSV Frankfurt. Aha, wonach gleich war’s geordnet? Vielleicht war ja der fürs Alphabet zuständige Redakteur noch verwirrt von seiner nachmittaglichen Aufgabe, die Hauptstädte von Grönland, Äquatorialguinea, Kiribati und Kirgistan diagonal und rückwärts im Buchstabengitter der Sport1-Call-In-Show unterzubringen. “Ruft jetzt an, Freunde. Kommt, so blöd kann doch keiner sein! Wir suchen hier doch nur die fünf Hauptstädte der sieben schönsten Länder der Erde – drei von jedem Kontinent. Ein Anruf und ihr gewinnt 100, 200 … ach was sag ich, ich leg noch einen Räucheraal, eine Makrele und einen Blumenstock drauf. Ich muss komplett verrückt sein!” Naja, zumindest ist es nicht komplett auszuschließen.

Ob Luiz Felipe Scolari vorm Bildschirm mitgeraten hat, ist unklar. Sicher scheint hingegen, dass sich der brasilianische Nationaltrainer am kommenden Sonntag unters Publikum beim rheinischen Derby zwischen Köln und Düsseldorf mischen wird. Gerüchteweise will er sich im neuen Müngersdorfer Stadion ein abschließendes Bild davon machen, ob sich Timo Horns Spielweise mit Neymars Stil ergänzt, so dass die beiden zukünftig als kongeniale Partner in gelben Trikots und blauen Hosen auflaufen können. Mehrere brasilianische Funktionäre, die den Kölner Keeper bereits bei dessen Galavorstellung am Samstag in Dresden unter die Lupe genommen haben, sollen dort im Stadion in Freudentränen ausgebrochen sein, sehen sie doch das mögliche Offensiv-Duo Neymar/Horn als Garanten für den WM-Titel 2014. Mit seiner Vorlage zu Tobias Kempes Ausgleichstreffer hat Horn indes sämtliche Zweifler widerlegt, die die südamerikanischen Wurzeln des Kölners in Frage gestellt hatten.

Viel mehr war noch nicht. Ganz aktuell: Mario Gomez hat auf dem Trainingsplatz in Florenz ein Tor getroffen. Ob’s das richtige war? Ob er das wollte? Ob ein Ball involviert war? Wie’s dem Tor geht? Fragen, die an dieser Stelle eventuell beantwortet werden. Falls Ralph Hassenhüttl derzeit nix zu tun hat, darf er sich mal an die Recherche wagen und – so denn das Ergebnis ähnlich erfreulich ausfällt wie die Aalener Platzierung im Vorjahr – hier gerne mitbloggen. Vielleicht schon ab der nächsten Woche?

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