16. – 19. August 2013, 2. Spieltag/1. Liga und 4. Spieltag/2. Liga

Punkt punkt was? Mike Büskens wollte irgendwie nicht so recht raus mit der Sprache nach der 1:2-Niederlage seiner Düsseldoofer Fortuna am Montagabend in der Alten Försterei: „Wir haben dann eine Riesen-Kopfballchance durch ‚Reise‘, und den musst du denn einfach machen. Weil dann sagst du, weißt du, entschuldigung, ich sag jetzt nicht, was ich denke, ja?“ Noch im selben Atemzug sagte er es dann aber doch, wenn auch in abgeschwächter Form: „Punkt Punkt lecken, Punkt mitnehmen, das war’s dann.“

„Sie sagen jetzt nicht, was sie denken?“ Selbst die Nachfrage der netten brünetten Moderatorin kann den Fortunen-Coach nicht umstimmen. „Nein“, sagt er. Keine Chance, aus dem Büskens etwas rauszukriegen. Oder doch? „…Warten Sie mal“, fügt er an. Irgendwie will er ja schon. Und, naja, dann halt doch. Aber in abgeschwächter Form eben. Also nochmal: „Ich sagte, na, Punkt Punkt lecken, …“ Büskens verzieht das Gesicht. Schön wär’s ja schon. Zum Stressabbau. Ach, komm, was soll’s? „Ja, Arsch lecken – und dann fährste mit ‘nem Punkt nach Hause.“ Jetzt ist es raus. War doch gar nicht so schwer.

Seine Gastgeberin am Schnellbau-Sport1-Tresen, der mit Hilfe eines der beliebten Ikea-Inbusschlüssel diesmal in der Alten Försterei aufgebaut worden war, ließ sich ihre Irritation nicht anmerken. Ließ Büskens weiter gewähren, die Zweikampfschwäche seines Teams kritisieren. Dann aber war sie doch mit den Nerven am Ende: „Stimmt. Union Berlin hat 60 Prozent Zweikämpfe verloren. Richtig analysiert.“ Schon. Von Büskens. Nicht von ihr. Denn die Aussage des Coachs wäre belegt worden durch: Fortuna hat 60 Prozent Zweikämpfe verloren. Machte aber nix. Büskens nickte zustimmend. War eh in Rage. Und Christian Beeck nickte. Der Ex–Manager der Eisernen – schon als Spieler eine der coolsten Socken der Liga – hatte am Bildrand ausgeharrt. Und nickte. Und grinste. Dachte vermutlich: „Völliger Blödsinn. Aber egal. Punkt Punkt lecken und heimgehen.“ So isses.

Weit entfernt von „Punkt einfahren“ und vermutlich schon weit raus über „Punkt Punkt lecken“ waren am Samstag der HSV und S 04. Die Klatschen in dieser Höhe waren dann doch überraschend. Schlimm für die Fans! Für die Hamburger und die Schalker, weil sie feststellen mussten, wie schlecht ihre Mannschaften sind. Für alle anderen, weil die Resultate so viel über den Zustand des deutschen Fußballs aussagen. Noch schlimmer ist, dass es nicht mal auf irgendeinem Sender angesprochen wurde: Zwei Traditionsvereine werden vorgeführt von VW und Dietmar. Irgendwie nicht schön…

Das kann doch dem DFB nur ein Dorn im Auge sein. Wo doch jeder weiß, wie wichtig dem Deutschen Fußball-Bund Tradition ist. Zugegeben, nicht immer bringt der Verband das so richtig rüber, aber der Wille ist da. So wurde zum Beispiel vor dem überragenden Länderspiel vergangene Woche gegen Paraguay im Lauterer Fritz-Walter-Stadion ein Zeichen gegen die Kommerzialisierung des Fußballs gesetzt, Werbung an der Nordtribüne (vom Hauptsponsor des FCK) abgedeckt. Mit schwarzer Folie mit weißen Streifen – also völlig harmlos! Richtig so! Dass dabei auch der Stadionname, der Schriftzug des größten Fußballers aller Zeiten verdeckt wurde – sei’s drum! Es kann nicht immer alles zu 100 Prozent durchdacht sein. Oder war es sogar Absicht, ein ausgefeilter, genialer Plan? Denn Fußball hat derzeit so viele Anhänger, ist so unglaublich hip – will der DFB uns nur davor bewahren, dass langweilige Attribute wie Charakterstärke, Bodenständigkeit und Loyalität die Sportart wieder in die Steinzeit zurückstürzen? Je länger man darüber nachdenkt, desto dankbarer kniet man nieder vor diesem respektablen Schachzug. Wer braucht schon einen Fritz Walter, wenn er coole Typen wie Schweini, Poldi oder Mario hat?

Hmm… jetzt ging’s im Beitrag dieser Woche doch ziemlich ernst zu. Merk‘ ich selbst. Deshalb – nach dem bombastischen Erfolg der Vorwoche – zum Abschluss wieder ein nettes kleines Rätsel zum Entspannen. Antworten aber diesmal bitte an mich direkt, nicht mehr an Ralph Hasenhüttl. Der hat auf die Frage der vergangenen Woche anscheinend so viele E-Mails bekommen, dass er gar nicht dazu gekommen ist, sie weiterzuleiten. Und damit zum Rätsel aus der beliebten Kategorie „watch your headline!“.

„Finne wird Kölner“ vermeldete Kicker online am Sonntag. Die Frage dazu ergibt sich von selbst: Aus welchem Land stammt der Neuzugang des 1. FC Köln? Wer’s nicht weiß – obwohl es auf der Hand liegt –, kann natürlich auf www.kicker.de nachschauen. Obwohl, der Jahrhunderttorben löst es selbst auf, ist ja auch zu einfach. Klar: Norweger ist er natürlich. Er ist sogar norwegischer U19-Nationalspieler, der gute Bard Finne. In diesem Sinne…
Euer
Torben Äquatorialguineer (neuer Künstlername, falls der Jahrhunderttorben mal zum FC wechseln sollte – er sieht die Schlagzeile schon vor sich…)

Ein Gedanke zu „16. – 19. August 2013, 2. Spieltag/1. Liga und 4. Spieltag/2. Liga

  1. m!

    Großes Lob!
    Die Seite ist genial. Ich hab’ selten so gelacht wie bei den Beiträgen hier..
    Ãœber DSF (und für mich bleibt’s dabei…) zu der “Moderatorin” vom ZDF (angemerkt: ne große Frechheit diese Person bei sowas wichtigem wie Fussball beiwohnen darf…) zum DFB und und und…. Ich ziehe meinen Hut vor so viel Witz, beißendem Sarkasmus und vor allem der verschärften Kritik!!
    Die Gruppe, die mir aber nach wie vor zu sehr verschont bleibt, sind aber meine geliebten Schiedsrichter – bitte mehr verunglimpfen!!

    Grüße und mach’ weiter so ;-)

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