30. August – 2. September 2013, 4. Spieltag/1. Liga und 6. Spieltag/2. Liga

26 Mann umfasst der Kader des aktuellen Bundesliga-Schlusslichts Eintracht Braunschweig. Und die Fans der Löwen, die derzeit sehenden Auges von Niederlage zu Niederlage hasten, mag das ein wenig trösten: Zusammen sind diese aktuell vom Erfolg nicht allzu verwöhnten Kicker mehr wert als Gareth Bales Standbein. Wenn das mal nichts ist.

Zumindest weist die wissenschaftlich fundierte Berechnung bei Transfermarkt.de dem unerschütterlichen Eintracht-Kader einen Wert von gut 25 Millionen Euro zu. 100 Millionen überweisen die Königlichen aus Madrid an die Londoner White Heart Lane für den Waliser (natürlich, die große Fußballnation!) Bale. 100 Millionen! So breit wie in diesen Tagen hat bei den Spurs seit 1995 keiner mehr gegrinst, seit Jürgen Klinsmann die Insel in Richtung Bayern München wieder verlassen hat. Da heißt es aber: Schön aufpassen aufs Geld! Damit es nicht so geht wie damals. Da haben sie irgendwie die Konzentration verloren – und zweieinhalb Jahre später war der „Diver“ wieder da. Und den Fans das Grinsen aus dem Gesicht gefallen.

Jetzt darf man sich selbstverständlich – und das meint der Jahrhunderttorben ganz ernst – offen, ganz offen dazu bekennen, es nicht so recht zu verstehen. Wie sich Real, ein Verein mit einem kleinen, aber feinen, aber unüberschaubaren Schuldenberg von 600 Millionen Euro einen 100-Millionen-Euro-Transfer leisten kann. Da hält es der Jahrhunderttorben (wie so oft) doch gerne mal wieder mit dem großen Peter Neururer: „Man sollte seine eigene Stellung in der Gesellschaft, in der man sich gerade bewegt, überprüfen.“ Weise gesprochen, lieber Peter! Mal wieder. Und weil’s so schön ist, noch einen: Über den Elfer, den der in allen Belangen überreife Fallobst-Brasilianer Diego gegen Hertha BSC rausgeholt hat, sagte Neururer: „Wenn wir auch nur darüber nachdenken, dass da der Elfmeter berechtigt gepfiffen wurde, dann lass uns aufhören mit Fußballspielen.“ Der Mann weiß einfach wie kaum ein anderer in Fußball-Deutschland, wovon er redet. Und trainiert trotzdem nur ein Team mit einem Marktwert von 12,6 Millionen Euro (nicht ganz Gareth Bales rechte Kniescheibe). Mehr will er aber auch gar nicht. Weil er sich seiner Stellung in der Gesellschaft, in der er sich bewegt, einfach bewusst ist.

Auf der anderen Seite muss man den Madrilenen zu Gute halten, dass sie den Last-Minute-Bale zur Hälfte durch den Verkauf Mesut Özils finanzieren. Der geht für 50 Millionen zu Arsenal – obwohl Hans Sarpei weiter uneinsichtig behauptet, die Engländer könnten den Wechsel nicht bestätigen, weil sie das „Ö“ auf der Tastatur nicht fänden. Ist gelogen! Der Deal steht. Vier Bochums. Zwei Braunschweigs. Damit ist der Zil, wie er – folgt man Hans Sarpei – bei den Gunners wohl heißen wird, der teuerste deutsche Fußballer aller Zeiten. Mit welchem Sachverstand solche Schwachsinns-Transfers getätigt werden, beweist die ebenso lächerliche wie traurige Tatsache, dass Mario Gomez gleich zweimal in den Top 10 der teuersten Transfers deutscher Spieler auftaucht. Immerhin: Nach 35 Millionen, die die Bayern 2009 an den VfB Stuttgart überwiesen hatten, musste der AC Florenz jetzt nur noch 16 Millionen Euro hinblättern. Setzt man diese Reihe mathematisch korrekt fort, wird im Jahr 2017 Gomez’ tatsächlicher Marktwert bezahlt werden: Der aufnehmende Verein wird dann mit drei Millionen Euro dafür entschädigt, dass er Gomez für sich kicken lässt.

Zweimal muss der Jahrhunderttorben an dieser Stelle Sympathiepunkte vergeben: Zum einen an – Obacht! – Jürgen Klopp. Den mag er ja eigentlich nicht so sehr (also Sympathiepunkte auf niedrigem Niveau). Aber wie subtil kann man Verachtung nur durch abfälliges Lachen und willenlos eingestreute einzelne Silben zum Ausdruck bringen? Das war große klasse, wie der BVB-Coach auf die Journalisten-Nachfrage zum Boateng-Wechsel reagiert hat. „Es gibt unterschiedliche Dinge, die mich da überrascht haben. Wo nimmt Schalke die Kohle her? Was weiß ich, und ja, … und WARUM… also, KEVIN?“ Oder: „Also, er ist ein… er war ein guter Typ.“ In der Tat hat Klopp nicht ganz Unrecht: Auch Schalke gehört eigentlich nicht zu den Klubs, denen man aufgrund ihrer finanziellen Ausstattung einen Zwölf-Millionen-Einkauf mal so unbedingt ans Herz legen wollte. Aber: Sie haben sich eben gerade für die Champions League qualifiziert, das bringt halt gleich mal locker 15 Millionen. So schnell kann’s gehen. Mal wieder ein Beleg dafür: So lange diesem Kommerz-Kindergarten nicht der Garaus gemacht wird und endlich wieder der – auch sportlich deutlich wertvollere – Europapokal der Landesmeister eingeführt wird, bleibt alles Reden vom „Financial Fairplay“ sinn- und hirnloses Geschwätz.

Und Sympathiepunkte für die Gladbacher. 4:1 gegen Werder. Nicht dass den Jahhunderttorben das grundsätzlich interessieren würde. Aber 35 Punkte in seiner Kicker-Elf alleine durch Kruse, Herrmann und Arango. Klasse! Auch das muss an dieser Stelle mal erwähnt werden. Und zum Abschluss noch mal der Neururer: http://www.youtube.com/watch?v=vNuaGFuC6-4. Ralph Hasenhüttl wäre bei dem Interview gerne dabei gewesen, weilte aber zu der Zeit zu Fortbildungszwecken beim österreichischen Fähnlein Fieselschweif…

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