27. bis 30. September 2013, 7. Spieltag/1. Liga und 9. Spieltag/2. Liga

In dieser Woche fühlt sich der Jahrhunderttorben einfach mal eingeladen. Ist er zugegebenermaßen gar nicht. Aber mitfeiern will er trotzdem, denn: Willi Schulz wird am 4. Oktober 75 Jahre alt! Wer war doch gleich Willi Schulz? Ein früherer Nationalspieler, ja. Sogar Kapitän. Und Vize-Weltmeister von 1966. Schalker war er. Und Hamburger. Aber vor allem war er eines: der Mann, der völlig gelassen den Satz erschaffen hat, der das Fußballverständnis von Generationen geprägt hat. Und für den er von 90 Prozent der heutigen Stadionbesucher ungläubiges Kopfschütteln ernten würde: „Fußball ist Krieg in kurzen Hosen.“

Damit gilt der eisenharte Verteidiger – in diesem Fall müssen, nein, dürfen wir sogar noch von einem waschechten Libero sprechen – bis heute als einer der Kronzeugen für die Theorie, die schönste Sportart der Welt diene doch eigentlich nur dazu, ungehemmten Aggressionstrieb zu kompensieren. Diese Kompensationstheorie wurde gerade gegen Ende des vergangenen Jahrtausends von Nicht-Fußballverrückten gerne verständnislos als Kritik vorgebracht. Und die Fußballfans haben sich gefragt: Wo bitte ist denn da die Kritik?

Heute sieht das natürlich anders aus: Da stehen (oder sitzen vorzugsweise) vor allem „Fans“ in den Fußballstadien, die dort einfach nicht hingehören. Die den Geist des Spiels nicht verinnerlichen konnten. Die gar keinen Bezug zu der Sportart haben. Aber wie sollten sie auch? Für den Fan von Hoppenheim, Mainz, Ingolstadt oder RübenBrause Leipzig gibt es doch nur zwei Möglichkeiten: Entweder man ist „schon immer“ Anhänger seines Vereins – hat also noch keine allzu lange bedeutende Fußball-Historie mitgemacht. Oder man war viele Jahre bei einem anderen Klub und hat diesen gewechselt, nachdem der „neue“, vielleicht heimatnähere Lieblingsverein in den Höhen des deutschen Fußballs aufgetaucht ist – in diesem Fall lässt es sich nur mit Stermann und Grissemann sagen: Jeder weitere Kommentar überflüssig. Warum aber auch bei altgedienten Vereinen die Fankultur im Wandel ist – wüsste man es, würde man es ändern… Aber Schluss damit! Als Vorzeige-Fußball-Romantiker muss der Jahrhunderttorben sich an solchen Stellen bremsen, um nicht abzuschweifen.

Wir wollten über Willi Schulz reden. Und darüber, dass er bei der krassesten Fehlentscheidung der Geschichte hautnah dabei war. Beim Wembley-Tor, einem Tor, das den Namen, wie wir alle wissen, nicht verdient hat. Ein „Tor“, das das wohl unschlagbarste Argument gegen sämtliche spießbürgerlichen Ideen von der Torkamera, über den Chip im Ball – und um noch weiter zu gehen – bis hin zum Videobeweis bietet: Wie viele ernsthafte Gespräche, geistreiche Scherze, miese Vergleiche und heißblütige Diskussionen hätte es nicht gegeben, wenn kurz vor der WM 66 irgendeine neunmalkluge Nase freudestrahlend mit einem technischen Hilfsmittelchen bei der FIFA aufgetaucht wäre? Und diese auch noch davon überzeugt hätte? Wie viel würde der Fußballgeschichte fehlen? Und damit uns allen?

Überhaupt entbehrt es ja auch jeder Grundlage zu glauben, dass der Fußball viel fairer, die Welt viel besser würde, wenn ab und an ein von einer Kunststoffkugel ausgelöster Sender im Ohr eines gelben Mannes piepste. Klar, wer sich nie so recht mit der Materie befasst hat, der erinnert sich natürlich, dass „es das doch bei den letzten beiden Weltmeisterschaften jeweils gegeben hat, dass da ein klares Tor nicht gegeben wurde“. Diejenigen, die aber seit langer Zeit regelmäßig in die Stadien rennen, die wissen, dass es sich dabei um eine sehr zufällige, von jeder noch so unnormalen Normalverteilung abweichende Häufung gehandelt hat. Und dass Fußballspiele – deren Ausgang höchstselten unabhängig von Form und Gunst des Schiris ist, das gehört halt dazu – zumeist dann vom geneigten Fan als „verschoben“ wahrgenommen werden, wenn der Unparteiische eine Vielzahl unbedeutender Zweikämpfe gegen das eigene Team ahndet, die Nachspielzeit zu kurz ist, der Gegner nach dem x-ten groben Foulspiel keine Karte erhält, während die eigene Mannschaft für jeden Rotz mit Gelb belegt wird. Es sind die Summen kleiner Fehlentscheidungen, die Spielergebnisse beeinflussen. Die Anzahl der Treffer, die aufgrund eines Knicks in der Optik des Linienrichters nicht gegeben werden (wobei wir da mal nicht von falschen Abseitsentscheidungen reden, da hilft nämlich ein Chip im Ball auch nichts) – vernachlässigbar!

Jetzt aber endlich: Herzlichen Glückwunsch, Willi Schulz! Und enden wollen wir heute – wer hat nicht sehnsüchtig darauf gewartet – mal wieder mit einem Quiz. Zu gewinnen gibt’s nix, der Jahrhunderttorben will es einfach nur wissen. Er sucht nämlich schon seit langer Zeit nach der Antwort und hofft nun auf eure Unterstützung. Wer (es könnte sich um einen ehemaligen englischen Nationalspieler handeln) hat in Tradition des Willi-Schulz-Zitats den wunderbaren Satz geprägt: „Ich spiele nicht Fußball, damit ich gewinne, sondern damit die Anderen verlieren“? Wer’s weiß, sollte mit der Antwort auch diesmal nicht Ralph Hassenhüttl behelligen, sondern sie hier posten oder auf www.facebook.de/jahrhunderttorben oder eine E-Mail schicken an torben@jahrhunderttorben.de. Danke schonmal, sagt in einem ungewohnten Anflug von Selbstkritik ein nicht allwissender Jahrhunderttorben.

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