4. – 7. Oktober 2013, 8. Spieltag/1. Liga und 10. Spieltag/2. Liga

„Fußball ist so wunderschön… wenn nur am Wochenende die Spiele nicht wären“ – er hat ja so recht mit dem, was er vor diesem Spieltag gesagt hatte, der gute Torsten Lieberknecht. Und doch hatte er an diesem Wochenende was zu feiern. Ganz im Gegensatz zum Jahrhunderttorben: Das war ein wirklich, wirklich herber Rückschlag! Seit Monaten gibt’s kein Lebenszeichen von Ralph Hasenhüttl, und dann das. Ausgerechnet die Amateure aus Audiland bekommen den Jungen ans Telefon. Ursachenforschung ist angesagt. Deshalb – und nur deshalb – kann sich der Jahrhunderttorben nicht mit der derzeit sicherlich brennendsten aller Fragestellungen auseinandersetzen: Warum zum Teufel heißt denn Twix vorübergehend wieder Raider? Vor allem “vorübergehend”! Ja, nee, is klar…

Liebe Freunde! Lasst uns hin- und hergerissen sein! Endlich hat die Liga den Hasi wieder. Toll! Wir freuen uns – eigentlich. Aber musste es denn ausgerechnet Ingolstadt sein? Die Stadt, die man zweifelsohne in die abartige Liste der Fußball-Hochburgen des Nichts einreihen kann? Das schlägt irgendwie dem Fass die Krone ins Gesicht! Wie inständig haben wir ihn angefleht, sind vor ihm auf die Knie gefallen, haben ihm den Ball freistehend vorm leeren Hoppenheim-Kasten auf dem Silbertablett direkt auf den rechten Schlappen serviert? Wir haben keine Wunderdinge von Ralph Hasenhüttl erwartet, keine 120 Prozent, die er an der Tastatur hätte geben müssen, keine Qualifikation für die Pulitzer-League und schon gar keine Buch-Titel. Nur ein bisschen mitphilosophieren hätte er doch an dieser Stelle sollen. Oder wenigstens mal kurz Bescheid geben, warum es denn nicht klappt. Man hätte ja über alles reden können. Außer über einen Audi. Den konnte der Jahrhunderttorben nicht bieten. Wurde ihm das zum Verhängnis? Dabei badet er ja hier nur ungern in einer großen Wanne voller Selbstmitleid. In erster Linie geht es dem Stadion-Altruisten ja nicht um sich selbst, sondern er denkt an all die Fußball-Philosophen an den Bildschirmen, die den Hasi so gerne hier gelesen hätten.

Und doch: Es gibt ganz Große in der Welt des Fußballs, denen man einfach alles verzeiht. Ralph Hasenhüttl – wer möchte das anzweifeln? – gehört ganz sicher dazu. Die Vorfreude auf seine feierlichen Auftritte, sein heroisches Antlitz und seine mit feinem Wortwitz gespickten Ansprachen lässt die Länderspielpause schon jetzt schier endlos erscheinen. Sein Vertrag läuft bis zum Saisonende. Ein Abstieg der Ingolstädter hätte zur Folge, dass der Hasi für die kommende Saison wieder frei wäre – und vielleicht seiner wahren Bestimmung folgen, den für ihn bereiteten Weg beschreiten, dem Jahrhunderttorben als Co-Blogger zur Seite stehen und ihn inspirieren könnte. Aber wer glaubt ernsthaft daran, dass Trainer Hasenhüttl den FCI nicht vor dem Gang in Liga drei bewahren könnte?! Vor allem, wenn man bedenkt, dass der Noch-Tabellenletzte sogar stark genug ist, um unter einem Interims-Coach namens Michael Henke drei Punkte einzufahren…

Drei Punkte gab’s am Wochenende auch für „ein kleines gallisches Dorf“ in Liga eins. So zumindest hat Trainer-Fuchs Torsten Lieberknechtnix seine Braunschweiger Eintracht bezeichnet – „mit wenigen Mitteln ist hier alles aufgebaut worden“. Und doch haben die tapferen Braunschweiger am Samstag das große unheilige VW-Reich das Fürchten gelehrt. Und das ganz ohne Zaubertrank – zumindest besagen das die Dopingtests nach der Partie. Wenn man mal davon absieht, dass Majestix Lieberknecht, der gebürtige Bad Dürkheimer, kraft seiner Herkunft ja schon irgendwie einen Vorteil gegenüber all jenen hat, die als Kind gar nicht erst die Chance besaßen, in ein Fass zu fallen. Wie passend, dass ausgerechnet Dominix Kumbela – Domi ist tatsächlich sein richtiger Name, das jahrelang genutzte „Dominick“ war nur eine Eindeutschung – mit seinem ersten Erstliga-Tor den zweiten Braunschweiger Treffer markierte. Wurde der doch vor acht Jahren in Kaiserslautern entlassen, weil er sich gerüchteweise an Miraculix’ Kräutersammlung vergriffen haben soll.

Gemeinsam mit Karim Bellarabix schoss der Dominix jetzt also das kleine niedersächsische Dorf zum Derbysieg. In einem Derby, dass die Braunschweiger Fans grundsätzlich mal einen Rotz interessiert hatte. Weil sie sich eben, wie der Rest Fußball-Deutschlands, nicht für den Wolfsburger Wirtschafts-Wahn interessieren. Und ihr Derby gegen Hannover spielen. Aber das in der Fankurve der Volkswagen-Arena versammelte mittlere VW-Management wollte doch so gerne sein Derby haben, wollte so gern mal wissen, wie es sich denn anfühlt, wenn sich die Unterhaltungsware Fußball mit Emotionen vermischt. Hat die Stimmung angeheizt, die Partie zum Spiel der Spiele erklärt, das eigene Team unter Druck gesetzt. Und hat seine Emotionen bekommen. Fühlt sich scheiße an, ne?

Aber Kopf hoch, VW-Anhänger! Vielleicht trösten euch ja die weisen Worte, die Mainz-Trainer Thomas Tuchel nach dem 2:2 gegen Hopp ins Sky-Mikro gesprochen hat: „Wir haben gesagt: Spiele sind nicht entschieden. (…) Spiele sind nie verloren und sind nie gewonnen.“ Na also, was soll denn da noch passieren? Wozu tun wir uns den Blödsinn dann überhaupt Wochenende für Wochenende an? In wie weit – zu ganz bestimmten Zeitpunkten, in ganz besonderen Situationen – eventuell Hirnzellen für immer verloren sein können, das dürfen – natürlich – gerne andere entscheiden…

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