18. – 21. Oktober 2013, 9. Spieltag/1. Liga und 11. Spieltag/2. Liga

Nein, nein und nein! Zwar ist vieles gesagt worden über die krasse Fehlentscheidung dieses Spieltags, dieses Tor, das einfach nicht hätte zählen dürfen – aber bei weitem noch nicht genug! Natürlich waren es nur Millimeter, die der Karlsruher Koen van der Biezen beim Zuspiel vom Reinhold Yabo im Abseits stand, aber der 2:2-Ausgleich auf dem Lauterer Betzenberg war schlicht und einfach irregulär! Das riecht, nein, das schreit geradezu nach einem Wiederholungsspiel! Oder doch nicht?

Kein Vorwurf an Schiedsrichter Günter Perl (Pullach) [Einschub: Die Nennung von Schiedsrichtern ohne zugehörigen Herkunftsort ist schon seit den frühen 1990ern irregulär und bei echten Fans ebenso verpönt wie die Aufzählung norwegischer Skispringer ohne die jeweiligen Vornamen] – zumindest nicht in dieser Szene. Erst nach eingängigem Studium der Fernsehbilder war zu erkennen, dass der Holländer (Niederlande) in Minute 74 einen Regelverstoß begangen hatte. Dennoch: Das Tor hätte nicht zählen dürfen. Zurecht regt sich ganz Fußball-Deutschland darüber auf, fragt sich, wie ein solcher Fauxpas hatte passieren können.

Nein, stimmt gar nicht, um etwas ganz anderes geht es: Beim Spiel in Hoppenheim hat Stefan Kießling für Leverkusen ebenfalls einen Treffer erzielt, der keiner war. In dem Fall wird jetzt allenthalben eine Wiederholung der Partie gefordert. Natürlich! Das war ja auch definitiv kein Tor! Während die Szene in der Zweitligabegegnung FCK gegen KSC ja schon eher…, nein, so kann man’s nicht sagen…es war halt weniger kein Tor…oder…ja, es war eher nahe dran, eines zu sein, aber irgendwie dann doch…oder ganz einfach: Es passiert ständig, aber diejenigen, die jetzt wieder überall – vor allem in den Medien – mitreden wollen, haben die Abseitsregel ohnehin nicht verstanden. Also bleiben wir doch bei „Loch im Netz“ – ein lohnenswerter, nachvollziehbarer Aufreger für die „Ich bin Fußballfan/Sportjournalist seit der WM 2006“-Generation.

Und natürlich geht auch wieder das affige Gerede über technische Hilfsmittel los. Oh ja bitte, gebt uns den Videobeweis. Kein Fan sollte nach einem Treffer seiner Mannschaft einfach drauflosenjubeln dürfen, bevor der gegnerische Trainer die Szene noch einmal minutenlang durchanalysiert hat. Chip im Ball? Das eröffnet zwei Alternativen: die Kurzfassung, die eigentlich eine Langfassung ist, nämlich der Verweis auf den Jahrhunderttorben vom 3. Oktober. Dort steht nicht nur, warum das Wembley-Tor wichtig war für die Entwicklung der Fußballkultur, sondern vor allem auch, warum Torlinientechnik kein Stück weiterhilft. Die Langfassung, die eine Langfassung ist, allerdings in stark verkürzter Form (der zentrale Satz der Wahrscheinlichkeitsrechnung nach Peter Neururer lässt grüßen): Das Resultat nicht weniger Spiele ist von der Schiri-Leistung beeinflusst. In 99 Prozent der Fälle durch die Summe einer Vielzahl falscher Entscheidungen, von denen nicht eine einzige in irgendeinem Spielbericht erwähnt wird. Der Glaube, durch einen Chip irgendetwas kontrollieren zu können, wäre nur eines: trügerisch. Und außerdem stellt sich auch hier die Frage: Wenn sich ein Ball noch mit einem Zentimeter auf oder über der Torlinie befindet, dann müssen wir auf jeden Fall vermeiden, dass das Tor gegeben wird; wenn der Angreifer einen Meter im Abseits steht, wenn der Freistoß an der Strafraumgrenze unberechtigt war, dann ist es Banane?

Also belassen wir es in beiden Fällen dieses Wochenendes bei „dumm gelaufen“ und freuen uns darüber, dass sich das alles wieder ausgleicht. Wenn nicht im Laufe einer Saison, dann über die Jahre hinweg. Gut, in der Historie der Hoppenheimer blieb zugegebenermaßen bislang wenig Zeit für ausgleichende Gerechtigkeit. Und mit etwas Glück für den Fußball bleibt auch nicht mehr viel Zeit für TSG-Glück. Aber dennoch: Verlieren wir keine Worte mehr über den 1899-Fan, der in der Sportschau ein „Wiederholungsspiel wie damals bei Helmer“ forderte und damit eindrucksvoll unter Beweis stellte, wie toll er nach Fußball-Informationen googeln kann. Und keine Worte über Markus Gisdol, der endlich mal wieder unser aller Lieblings-Grammatik-Vergehen begangen hat („Es kann doch nicht sein, dass der den Kießling frägt…“).

Freuen wir uns doch lieber, dass trotz der knappen, unverdienten, nicht nachvollziehbaren und vom Unparteiischen leider nicht verhinderten Auftaktniederlage des Ingolstädter FC Hasenhüttl gegen Düsseldoof selbst Christian Eigler seinen Coach lobte: „Das waren gute Ansätze. Wir werden mit dem neuen System erfolgreich sein, es stimmen eben nur die Laufwege noch nicht ganz“, sagte der Ex-Kapitän, den Hasenhüttl als eine seiner ersten Amtshandlungen mal eben entmachtet hatte. Klar, sie sind einfach froh in Ingolstadt, dass Hasenhüttl bei ihnen unterschrieben hat, Interessenten gab es genug. Zwei Wochen nach Hasenhüttls Zusage beim FCI hat der DFB dann doch mit Joachim Löw verlängert – glaubt da ernsthaft jemand an Zufall?

Jetzt darf also der Jogi weiter sein …tlchhh… Unwesen treiben, weiter keine Titel holen, …tlchhh… sich weiter nach 9:8-Erfolgen gegen Liechtenstein, die Faröer oder …tlchhh… Kasachstan bei den Ja-Sagern in ARD und ZDF feiern lassen. Dabei gäbe es doch so viele Alternativen! Beispiel gefällig? Holstein-Kiel-Coach Karsten Neitzel, dem die anti-autoritäre Erziehung der heutigen Spielergeneration wohl auch auf die Nerven geht und der nach etlichen vergebenen Torchancen seines Teams gegen den VfL Osnabrück schon mal die Linie für die kommende Woche vorgab: „Wenn jemand so’n Ball vor der Linie vertendelt im Training, dann musst du ihm die Rübe abschlagen.“ Das sind klare Worte, wie wir sie uns wünschen!

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