1. – 4. November 2013, 11. Spieltag/1. Liga und 13. Spieltag/2. Liga

Viele Zuschriften aus der Fußballgemeinde haben den Jahrhunderttorben erreicht. Deshalb gibt’s in dieser Woche eine kleine Auswahl (drei von vier) der Gemeindefragen:

Christian V. aus H./Niedersachsen (vollständiger Name dem Jahrhunderttorben und einem Großteil seiner Leserschaft bekannt) stellt – mit provokantem Unterton, aus dem hervorzugehen scheint, dass er eine unsachliche und leicht populistische Antwort erwartet – die Frage: Lieber, weiser Jahrhunderttorben (Zuschriften an der einen oder anderen Stelle redaktionell bearbeitet), wieso ist es gut für den DFB, dass Jürgen Klopp seinen Vertrag in Dortmund verlängert hat?

Antwort: Lieber C. Völkner, dem eine gewisse königsblaue Verfärbung nachgesagt wird, zunächst einmal ist es gut für den DFB, weil Dortmund international spielt. Dadurch flimmert Jürgen K. aus D. weiterhin regelmäßig über die europäischen Bildschirme, während er Gesichtsausdrücke an den Tag legt, die eine Schabrackenhyäne auf Amphetamin wie ein niedliches Schoßhündchen wirken lassen, das in seinem Vogelnest ein rosa Schmusedeckchen versteckt und zum Kuscheln einlädt. Solch mimische Entgleisungen tragen mehr dazu bei, dass die Gegner schon vor dem Anpfiff gegen die deutsche Nationalmannschaft die Hosen voll haben, als es die Nominierung Stefan Kießlings je tun könnte – und als es Zoltan Sebescen, Carsten Ramelow und Uli Stielikes Krawatten je getan haben.

Aber – und damit zu dem (so denke ich) von Ihnen erwarteten Teil der Antwort – natürlich gibt es auch noch einen zweiten Aspekt. Durchaus wäre es denkbar gewesen, dass J. Klopp (Name vom Jahrhunderttorben geraten) ein Kandidat für die Nachfolge des jungen Mannes gewesen wäre, der immer ins Trainingslager des Nationalteams mitfahren und bei den Spielen auf der Bank sitzen beziehungsweise in der Coaching-Zone herumtigern  darf – obwohl er nie auch nur im Entferntesten an einem Titelgewinn beteiligt war. Wäre auch gar nicht weiter aufgefallen, sitzen ja beide gerne hinter dichtem Zigarettenqualm auf der Tribüne. Vermutlich wäre das auch zunächst noch gar nicht das ganz große Problem gewesen, außer dass Draxler, Höwedes und Aogo ihre Kaderplätze unwiderruflich verloren hätten. Aber – und da gibt der Jahrhunderttorben Ihnen, lieber Herr V., völlig recht: Die Tragweite einer solchen Entwicklung eröffnet sich erst auf den zweiten Blick. An allen bisherigen Trainerstationen des Herrn K. im Profifußball hieß sein Nach-Nachfolger Thomas Tuchel…

Ganz in Ihrem Sinne hätte dies zunächst den BVB getroffen, dann aber – allen Gesetzen der Logik folgend – auch die Nationalmannschaft. Und von deren Bild in der Weltöffentlichkeit wäre nur noch das rosa Schmusedeckchen übrig geblieben… Aber eine Gegenfrage gibt es auch noch: Wieso spielt es für den DFB überhaupt keine Rolle, dass Jens Keller seinen Vertrag auf Schalke verlängert hat?

S. aus einem kleinen Bundesland fragt den Jahrhunderttorben, warum er in der vergangenen Woche die „Pyrotechnik“ der Dortmunder „Fans“ in Herrn V.s Lieblingsarena nicht  verteidigt hat.

Dazu muss der Jahrhunderttorben sagen: Nö, das macht er nicht!

Viele in unserer Gemeinde bekennen sich ganz klar zur Pyrotechnik. Nicht, weil es so unglaublich toll aussieht – jeder hat schon spektakulärere Feuerwerke zum Abschluss des heimischen Dorffestes gesehen oder zur Eröffnung oder drei Tage durchgängig –, sondern weil es um die Atmosphäre geht, um aufgeheizte Stimmung, die die Mannschaft beflügelt, und darum, sich im Stadion wie im Stadion zu fühlen und nicht in panische Angst verfallen zu müssen, dass jede Sekunde Ronald McDonald um die Ecke geflitzt kommt und anfängt, Schabrackenhyänen aus Luftballons zu basteln.

Aber: Das, was am vorvergangenen Wochenende im Parkstadion 2.0 passiert ist, hat mit nichts von alledem auch nur im Geringsten etwas zu tun. Atmosphäre geschaffen? Ja, irgendwie schon; und zwar eine, die jedem Spaß macht, der Tierkinder zum Kotzen findet und der seiner Frau zur Krönung des wohl durchdachten Hochzeitstag-Programms noch schön „Evil Dead“ auf Großleinwand in einer verlassenen Forsthütte vorführt. Die Stimmung angeheizt und die eigene Mannschaft beflügelt? Wohl eher die eigene Mannschaft angeheizt – mal unabhängig von der Gefährlichkeit und dem strafrechtlich relevanten Ausmaß dieses geisteskranken Gehabes: Mit welcher Begründung kommt selbst ein noch so viel Potenzial nach oben aufweisendes Hirn auf die Idee, den eigenen Spieler zu bewerfen (auch wenn dies nicht als flammende Verfechtung von Roman Weidenfellers Bundesligatauglichkeit verstanden werden soll!)? Dabei kann es nicht um Fußball gehen! Zum Stadiongefühl beigetragen? Naja, eventuell haben sich die unbeteiligten Zuschauer ja schon ein bisschen so gefühlt, als befänden sie sich im prachtvollen Kolosseum gemeinsam mit einer jubelnden Menschenmenge – und warteten darauf, dass die Löwen endlich den tödlichen Biss ansetzen. Der Jahrhunderttorben unterstreicht: Kriminalität hat im Stadion genau so wenig verloren wie in anderen Bereichen des Lebens!

Jörg K. aus S. in einem wieder größeren Bundesland fragt: Wieso wird immer, wenn es nicht läuft, gleich die Trainerfrage gestellt? Sind das Problem nicht in erster Linie die Spieler?

Antwort: Das sind gute Fragen. Eigentlich ergibt es keinen Sinn, sich ständig ausschließlich auf den Trainer einzuschießen. Immerhin haben die Spieler ja irgendwann mal entschieden, das mit dem Fußball beruflich machen zu wollen – und ihren Beruf sollten sie doch auch irgendwie können. Sind ja schließlich nicht zur Post oder zur Bahn gegangen. (Was der Jahrhunderttorben damit sagen will: Bei der Post und der Bahn sind tendenziell weniger internationale Klassefußballer unterwegs als bei Bundesligavereinen.)

Jörg K. aus S. in einem wieder größeren Bundesland fragt außerdem: Und warum haben dann Trainerwechsel oftmals tatsächlich einen solchen Erfolg?

Antwort: Das ist eine gute Frage. Eigentlich ergibt es keinen Sinn, dass diese Maßnahme  tatsächlich so oft greift. Wieso läuft’s unter einem neuen Coach viel besser?  Immerhin haben die Spieler ja irgendwann mal entschieden, das mit dem Fußball beruflich machen zu wollen – und ihren Beruf sollten sie doch auch irgendwie können. Sind ja schließlich nicht zur Post oder zur Bahn gegangen. (Was der Jahrhunderttorben damit sagen will: Bei der Post und der Bahn sind tendenziell weniger internationale Klassefußballer unterwegs als bei Bundesligavereinen.)

Das hat mal wieder weitergeholfen! Weitere Zuschriften gerne als E-Mail an torben@jahrhunderttorben.de, als Kommentar auf dieser Seite, als Post auf www.facebook.de/jahrhunderttorben oder als Tweet an @jhunderttorben.

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