22. – 25. November 2013, 13. Spieltag/1. Liga und 15. Spieltag/2. Liga

Worüber sollen wir nach diesem Spieltag reden, wenn nicht über das „Clásico“?! Deshalb hier noch mal das Wichtigste in Kürze: Mit 2:1 besiegte der FC Barcelona Real Madrid vor gut vier Wochen im Camp Nou. Neymar und Alexis Sánchez trafen für Barca, für die Königlichen verkürzte Jesé Rodriguez kurz vor Schluss. In sämtlichen deutschen Medien mit dem gleichen Begriff belegt – obwohl mit maximal halb so viel Tradition, Spannung und Klasse versehen – wurde übrigens das Spiel Dortmund gegen Bayern. Ging 0:3 aus und hat die meisten Fußball-Fans nur am Rande interessiert.

Das aber hat die Populär-Medien in deren Bestrebungen, den DFB-Wahn zu unterstützen und jeden Bewegungs-Legastheniker und im Sportunterricht Verprügelten dieser Welt zum Fußball-Fan zu machen, nicht davon abgehalten, völlig ohne Not diesen großen Begriff auf erbärmlichste Art und Weise zu missbrauchen: „El Clásico“ – nur wenige Spiele sind so groß, dass sie einen eigenen Namen bekommen. „Old Firm“ in Glasgow und „Superclásico“ zwischen Boca Juniors und River Plate fallen uns direkt ein, und dann stellen wir fest: Bayern gegen Dortmund hat keinen Namen. Genau so wie Augsburg gegen Hoffenheim, Mainz gegen Freiburg oder Rieschweiler gegen die SG Blaubach-Diedelkopf. Und das völlig zurecht!

258-mal standen sich Real und Barca bislang gegenüber, alleine 167 Partien gab’s in der Primera Division. Das ist doch mal ‘ne Hausnummer. BVB und FC Bayern bringen es auf gerade mal 89 Aufeinandertreffen in der Bundesliga. Lust auf einen Klassiker? Der HSV und Werder Bremen haben sich bereits 99 Duelle in der Bundesliga geliefert. Und bei nur gut 100 Kilometern Entfernung darf man sogar von Derby-Charakter sprechen. Macht’s das jetzt zum Superhyperterraclasico?

Jaja, es waren die beiden derzeit besten deutschen Vereine. Für deren Aufeinandertreffen hat sich im Laufe der Jahre auch ein tolles Wort herauskristallisiert: Spitzenspiel! Warum kann’s dabei nicht einfach bleiben? Auch die Bilanz der Borussia liefert nicht unbedingt ein Argument dafür, dass das Spiel BVB – Bayern etwas über alle Maßen Besonderes sein soll. Vor den beiden Titelgewinnen und der Vizemeisterschaft zuletzt komplettieren ein fünfter, zwei sechste, zwei siebte, ein neunter und ein 13. Platz die Zehn-Jahres-Bilanz. Man erstarrt geradezu in Demut! Wenn drei Jahre Titelkampf am Stück ausreichen, um eine Begegnung zum „Clasico“ zu machen, was war dann Gladbach gegen die Bayern Anfang der 1970er?

Aber nein, dank all der Zeitschriften und Fernsehsender haben wir ja auch gelernt, dass die Partie so unfassbar toll ist, weil die Kontrahenten zuletzt um den „wichtigsten Titel des weltweiten Vereinsfußballs“ gekickt haben. Vor dem Champions-League-Finale war ja wirklich jeder, der es in der Zeit von 2006 bis 2013 noch nicht geschafft hatte, endgültig zum Riesen-Fußball-Fan geworden. Ein Spiel, das sich der Jahrhunderttorben übrigens mit vollem Vorsatz nicht angeschaut hatte, sich dafür lieber eine Woche später 120 aufregende Minuten beim Aufstiegsspiel zur Dritten Liga angetan hat, an deren Ende sich die Sportfreunde Lotte leider nicht gegen die Leipziger Rübenbrause durchsetzen konnten.

Also, obwohl’s wirklich, wirklich kein Clasico war, sondern ein Aufeinandertreffen der bis vergangene Woche besten deutschen Mannschaften (jetzt sind das laut Bundesliga-Tabelle Bayern und die Werkself), hat sich der Jahrhunderttorben die Mühe gemacht und ein Gedicht rausgesucht, das zum CL-Finale auf www.zwoelfzeilen.com veröffentlicht worden war und das an Aktualität nichts verloren hat. Auch für jedes zukünftige deutsch-spießbürgerliche Provinz-Clasico sagt es: Interessiert mich nicht, mein Verein ist nämlich nicht dabei!

ob cholera oder die pest
ob beckmann oder kerner
plutonium oder asbest
roy black oder pe werner

ob helmut kohl, ob helmut schmidt
frau ferres? frau thomalla?
ob nasenbruch, ob messerschnitt
ob bunte oder gala

ob bayern-schmock, ob dortmund-mief:
die wahl meint harakiri
ich hasse beide abgrundtief
drum halte ich zum schiri

Und jetzt: Auf, fragen wir mal einen englischen Fan, welches Premier-League-Spiel in den dortigen Medien als „Clasico“ bezeichnet wird. Oder ob es ihm dann doch lieber wäre, wenn ManU – Liverpool künftig „Superspiel“ oder „Jeu du jour“ heißen würde. Oder wir überlegen uns ernsthaft, aufgrund welcher Kriterien ein Bundesliga-Spiel zu etwas Besonderem wird – ohne allerdings soweit zu gehen, für solche Begegnungen willenlos Begriffe aus dem Spanischen zu klauen.

In der zweiten Liga – gaaaanz wichtig – gibt’s einen neuen Tabellenführer: Der 1. FC Kaiserslautern ist ein Team, das nicht nur in Liga eins, sondern auch zu den meisten Klassikern gehört. Trotz des 3:0-Erfolgs gegen Union Berlin war ein bisschen Schützenhilfe nötig, um die Spitze zu erklimmen. Die lieferte der unter dem sympathischen, kompetenten neuen Coach aufstrebende FC Audistadt durch seinen sensationellen 1:0-Sieg in Köln. Der FC gegen Ingolstadt – eine Partie, die dank Ralph H. ab jetzt unter dem Titel “El Hasico” firmieren wird…

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