31. Januar – 2. Februar 2014, 19. Spieltag/1. Liga

Wichtiges ist an diesem Wochenende in Fußball-Deutschland geschehen: Der Jahrhunderttorben hat nun endlich sein Logo. Eines, das für Tränen und Gänsehaut sorgt. Es zeigt die Aktion, auf die der Name unseres sympathischen kleinen Fußball-Refugiums zurückgeht: das (DAS!) Jahrhunderttor. Das einzig wahre. Erzielt von Fritz Walter am 6. Oktober 1956 in Leipzig. Wunderschön! Niemand muss es sich ausdrucken, an die Wand hängen und jeden Morgen davor knien, um für die Rückkehr des Fußballs, wie wir ihn lieben, zu beten. Muss keiner, aber es bietet sich an.

Aber es gab noch mehr, auch wenn alles andere deutlich verblasst neben dem neuen Logo, das – man kann es nicht oft genug betonen – am Kopf dieser Seite nach Herzenslust betrachtet werden kann. Zum Beispiel haben sich mal wieder etliche Spieler, Schiedsrichter und Funktionäre geoutet – als absolute Vollpfosten!

Wir haben ja nun wirklich keinerlei Mitleid mit Golfsburg. Aber der Platzverweis für Daniel Caligiuri auf Schalke lässt uns alle mal wieder kopfschüttelnd zurück. In der Zeitlupe ist schön zu sehen, in welchem Moment der für seine Zweikampfhärte und Nehmerqualitäten bekannte Linienrichter (das Wort Schiedsrichter-Assistent wird der Jahrhunderttorben nur ein einziges Mal im Rahmen dieses Blogs zu Papier bringen. Gerade geschehen. Versprochen!) Mike Pickel sein Fähnchen in den Wind hängt: direkt nach einem kleinen, höchstens angedeuteten Scheibenwischer. Den sollte man einem Spieler zugestehen, der gerade von einem knapp zwei Meter großen Brasilianer über den Haufen gerannt und dafür nicht einmal mit einem Freistoßpfiff getröstet worden war. Pickel und Wolfgang Stark (Ergolding), die selbst als Jurorenduo bei der Rhythmischen Sportgymnastik Strafpunkte wegen unsportlichen Verhaltens verteilen würden, taten das nicht. Wer wünscht sich da nicht einen Wolf-Dieter Ahlenfelder zurück, der Paul Breitners Anmache „Du pfeifst wie ein Arsch“ gekonnt mit „Und du spielst wie ein Arsch“ konterte. Nach einem solch klaren Dialog, das hat „Ahli“ später immer wieder betont, war die Sache für ihn aus der Welt. Schöne alte Welt…

Damit nun zu einem weiteren Platzverweis, der in ganz enger Verbindung zu einem Mann steht, der nur deshalb keine Chance hat, eine begehrte Auszeichnung zu gewinnen, weil es DAS „Tor des Monats“ heißt. Wobei an dieser Stelle nur aus juristischen Gründen darauf verzichtet wird, Matthias Ostrzoleks Schauspieleinlage so einzuordnen, wie sie es tatsächlich verdient hätte. Und dabei hat es nicht mal etwas gebracht. Die gelb-rote Karte, die Schiedsrichter Christian Dingert (Gries) dem Bremer Santiago Garcia hernach unter die Nase hielt, war – auch ohne Feindberührung – durchaus berechtigt. Der mittelschwere Zusammenbruch Ostrzoleks aber, den Garcia fast genau so deutlich verfehlt hatte wie Stefan Kießling das Hoffenheimer Tor, ist einfach nur (mal wieder) ein Ärgernis.

Dabei hat er das doch gar nicht nötig, der Matthias Ostrzolek! Bei seiner Klasse! … Nein, im Ernst, selbst der Jahrhunderttorben musste nachschlagen, wie der Augsburger eigentlich mit Vornamen heißt. Es war wohl das erste und letzte Mal, dass er es als Fußballer in die Schlagzeilen geschafft hat. Aber, ganz ehrlich: Wenn es um mediale Präsenz ging – da hätte doch ein einfaches Coming Out gereicht… Zumindest als Fußballer wird er es nicht mehr schaffen. Hoffen wir, dass er bei der weiteren Suche nach Anerkennung nicht auf dumme Ideen à la Bren(n)o kommt. Apropos: Der Höhepunkt der Fußballwoche (abgesehen vom neuen Logo! Vergesst das Logo nicht!) waren sicher am vergangenen Dienstag die Spruchbänder der VfB-Fans mit den ehrlich gemeinten Beifallsbekundungen in Richtung der Ãœber-Bayern: „Herzlichen Glückwunsch zum Triple!“, stand auf dem ersten. Auf dem zweiten: „Steuerhinterziehung, Brandstiftung, Sex mit Minderjährigen.“ Glückwunsch nach Stuttgart! Geistreich und gut!

Jetzt könnten wir noch darüber philosophieren, dass selbst Schiris, die selten eine überragende Figur abgeben – wie etwa Michel Weiner (Giesen) – ab und an mal etwas richtig gut machen. Wie etwa das Fast-Ronny-Tor der Herthaner gegen Nürnberg aufgrund Ramos’ Abseitsstellung nicht mit Elfmeter und Platzverweis für Petrak zu ahnden. Aber, was passiert, wenn mal einer was richtig gut macht? Deutschlands versammelte Fußball-Inkompetenz, der DFB, der selbst übelste Fehler seiner Referees nicht öffentlich kritisiert, wird auf einmal aktiv. Und erzählt völligen Stuss! Leute, wie viel aktiver kann man denn noch im Abseits stehen als beim Anrempeln des Torwarts? Und fast alle Medien, inklusive des früheren Fachmagazins „kicker“, rennen diesem Geschwätz hinterher… Aber klar, der DFB kann eine Fehlentscheidung nur dann öffentlich kritisieren, wenn sie gar keine ist. Das erinnert an die Taktik der Sky-Moderatoren, sich acht Superzeitlupen einer Szene anzuschauen, bis es wirklich keiner mehr sehen kann, und dann als einzige immer noch falsch bei der Bewertung des Ganzen zu liegen.

Und wir könnten auch über die 600 Quadrillionen -xx- (hier irgend eine beschissene Währung einsetzen) für die Herthaner reden, die der neue Investor beschert. Tun wir aber nicht. Ist uns zu blöd. Wir ziehen stattdessen an dieser Stelle einen Schlussstrich unter die vergangene Fußballwoche, die uns ja unter anderem ein neues Logo beschert hat! Und zwar tun wir dies mit den Worten von Kevin-Prince Boateng: Der bezeichnete den Sieg gegen Wolfsburg als extrem wichtig, denn: „Wir haben direkt gegen einen Kontrahenten gespielt.“ Jaja, das sind immer die schwersten Spiele. Mal abgesehen vom nächsten.

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