7. – 10. Februar 2014, 20. Spieltag/1. und 2. Liga

Kaiserslautern und Köln steigen nicht auf! Und die seit Monaten wie stark angetrunken übers Spielfeld torkelnden Hamburger und Bremer steigen womöglich ab! Die wenigen wichtigen Vereine, die dann noch in der ersten Liga kicken müssen, kommen im Laufe der nächsten zwei, drei Jahre dazu – und schon wird jedes Jahr in Liga zwei der zwar inoffizielle, aber dafür echte, richtige, tatsächliche deutsche Meistertitel ausgespielt. Während Hoppenheim, Wolfsburg, Mainz, Augsburg und wie sie alle heißen, ihren Spaß in Liga eins haben können – vor leeren Rängen, sobald das Event-Publikum seine neue Leidenschaft für Crocket, Power-Walking oder Kappensitzungen entdeckt.

Auch der VfB ist „einer der Traditionsvereine“, hat Patrick Wasserziehr bei Sky90 allen erzählt, die das noch nicht wussten. Aber schon interessant: Noch vor 20 Jahren waren Plastikklubs und andere Emporkömmlinge die kennzeichnungspflichtigen Idioten, heute dagegen ist das Auftauchen eines Traditionsvereins in der ersten Liga schon eine Erwähnung wert und wohl auch fast Grund genug, einen weiteren unnützen ARD-Brennpunkt zu verbrechen. Auch die Stuttgarter geben tatsächlich alles, um der neuen starken Liga des deutschen Fußballs anzugehören. Aber das wird kein leichtes Unterfangen! Noch lässt sich der ehrwürdige Club nicht von Rang 16, der zur Relegation berechtigt, verdrängen.

Wie die großen Vereine dieses System mit der Meisterschaft in der zweiten Liga umsetzen wollen? Der Jahrhunderttorben hat sich hinter den Kulissen umgehört: An den letzten Saisonspieltagen in Liga zwei werden parallel zu den eigentlichen Partien – die
in die inoffizielle Meisterschaftswertung eingehen – noch Trainingsspiele angesetzt, die dem DFB als die offiziellen Ligaspiele verkauft werden. Und die dann eben am Ende die gewünschten offiziellen Ergebnisse liefern, so dass nach 34 Spieltagen wieder und wieder Retortenklubs wie Ingolstadt oder RB Leipzig oder eben arme Schweine wie Paderborn oder Sandhausen in die bedeutungslose erste Liga müssen. Und dort weiter Stoff für Matthias Opdenhövel, Sky, Investoren, Sponsoren und 216 handverlesene DFB-Vorzeigefans pro Spiel liefern.

Die Öffentlichkeit darf davon derzeit natürlich noch nichts wissen! Doch hinter ganz dicht verschlossenen Türen hat der Plan schon recht viele Befürworter gefunden. Beleg dafür ist nicht nur das vorbildliche Totalversagen in Hamburg, Bremen oder Stuttgart, sondern auch die Tatsache, dass keiner aus der zweiten Liga nach oben will. Nur eines der sechs bestplatzierten Teams hat am Wochenende gewinnen können (müssen?). Beim Kölner 0:1 hat der FC übrigens Chance um Chance vergeben – und glaubt tatsächlich, das wäre keinem aufgefallen!? Blödsinn, alles abgekartetes Spiel! Die beste Kölner Möglichkeit versiebte ein gewisser Bard Finne – jaja, schon klar, sehr unauffällig! Für St. Pauli hat parallel Fin Bartels beste Chancen vergeben! Kommt, das soll euch jemand glauben???

Bis es soweit ist, bis sich sämtliche Mannschaften, die es verdient haben, um den Titel zu spielen, in der zweiten Liga versammelt haben – und vor allem, bis die, die das nicht tun sollten, endlich alle in Liga eins spielen (lange dauert’s nicht mehr) –, gilt natürlich das Leistungsprinzip nur noch bedingt. Wie soll man das den jüngeren Menschen am besten erklären? Also: Es ist so, wie es heutzutage bei euch in der Schule ist. Wichtig ist, dass man seine Persönlichkeit entfaltet und das tut, was einem gefällt. Nicht, ob das, was am Ende dabei rauskommt, irgendein sinnvoller Beitrag ist. Das brillante Ergebnis dieser seit Jahren in Deutschland eingesetzten Strategie lässt sich beispielsweise anhand der zu Tränen rührenden orthographischen und grammatikalischen Leistungen in den Sozialen Netzwerken nachvollziehen. So viele Redakteursstellen, um diese Leute alle unterzubringen, gibt’s vermutlich bei Pro Siebens Vorzeige-Verdummung Galileo gar nicht…

Und die vom DFB geförderte und geforderte „Fair-Play-Regelung“, wonach bei F-Jugendlichen das Ergebnis nicht mehr im Vordergrund stehen darf, wird dazu führen, dass wir auch in diesem Bereich in naher Zukunft nur noch Leistungen zu bieten haben, mit denen wir uns vorm Rest der Welt blamieren. Lauter Fußball-Legastheniker! Die sich dann vermutlich doch weiter die erste Bundesliga mit Mainz und Hoppenheim anschauen.

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