14. – 17. März, 25. Spieltag/1. und 2. Liga

Auf geht’s Leute, Fußball! Keine völlig sinnfreie, sondern eine wirklich und ernsthaft nett gemeinte Erinnerung. Dieses zeitweilen erbärmliche Gekicke ist ja doch ein bisschen in den Hintergrund gerückt in den vergangenen Tagen. Kann sich noch irgendwer an mehr als ein Ergebnis vom Wochenende erinnern? Natürlich nicht! Da gab’s zu so viel Wichtigerem seinen Senf zu geben. Von Wurscht-Ulis bevorstehender allsamstäglicher, erfolgloser Suche nach einer Sky-Kneipe in Landsberg bis zum ebenso sicher scheinenden nächsten Tritt mit den Füßen gegen den Fußball – aber nicht das Spielgerät, sondern die Sportart – durch die Einführung der Torlinientechnik. Und als wäre das nicht genug, jetzt auch noch das: Nur knapp zwei Wochen nach Michael Ashelms traditionsgemäß einmal pro Jahr abgefeuerten Angriff auf den 1. FC Kaiserslautern in der F.A.Z. springen auch fast alle anderen Qualitätsblätter des deutschen Journalismus – von Mainzer Allgemeiner Zeitung bis zur Münchner TZ – mit auf. Und wiederholen, was vor 14 Tagen schon falsch war. Genau wie vor einem Jahr. Und vor zwei Jahren.

Ja, der Herr Ashelm. So geht’s, wenn man sich für Sport und für Wirtschaft interessiert. Aber es irgendwie bei beidem nicht so ganz in die Kategorie der ganz großen Journalisten schafft. Dann muss man halt mal einen raushauen. Und wenn keiner zuhört? So wie im März 2012? Na, dann schreibt man das Ganze ein gutes Jahr später nochmal, etwas ausführlicher, und untermalt es mit betriebs- und volkswirtschaftlichen Pseudo-Erkenntnissen, die jedem BWL-Erstsemester die Tränen in die Augen treiben würden. Und wenn wieder keiner zuhört? Blöde Frage, dann eben ein Jahr später nochmal.

Und das ist dann der Punkt, an dem wir jetzt stehen. Keine Frage, Herr Ashelm hat recht: Der FCK hat Millionen aus dem Säckel des Landes erhalten. Ganz anders übrigens als etwa Mainz 05, denen nun zum zweiten Mal unter Zuhilfenahme der Öffentlichen Hand ein Stadion hochgezogen wurde (und das trotz der, drücken wir es mal diplomatisch aus, eher überschaubaren Bedeutung des Vereins für die Geschichte des Weltfußballs und für halbwegs gebildete Menschen). Oder als die Münchner Bayern, für deren neue Arena Infrastruktur im Wert von mehreren hundert Millionen Euro zur Verfügung gestellt wurde. Oder als die Berliner Hertha, die in der zweiten Liga gleich gar keine Stadionmiete zahlen musste. Was Herr Ashelm und alle, die kurz vor Ablauf der 14-Tage-Schnellmerkerfrist in dieser Woche mit eingestiegen sind, vergessen: Im Gegensatz zu zahllosen anderen Klubs, die Steuergeld erhalten, leidet der FCK noch immer unter den Folgen einer Weltmeisterschaft, die nicht er, sondern die Politik gewollt hat. Wer also nicht unbedingt ideologisch auswählt – und im beschriebenen Fall auch noch unter dem Einfluss inakzeptabler Ideologien steht –, dem fallen hundert andere Vereine ein, die zunächst mal durchleuchtet werden müssten.

Große Klasse ist Herrn Ashelms immer wieder mehr oder weniger subtil eingeworfener Hinweis darauf, dass Kaiserslautern die Stadt mit der höchsten Pro-Kopf-Verschuldung sei. Das tut er schon seit Jahren, und vermengt dies thematisch zu einer Suspension mit der angeblich nicht verantwortbaren Unterstützung des 1. FC Kaiserslautern. Leider scheint Ashelm noch nicht lange genug im Geschäft, um zu bemerken, dass die Barbarossastadt auch lange vor Beginn des Umbaus am Fritz-Walter-Stadion ganz weit vorne auf der Liste der ärmsten Städte stand. Genau wie heute übrigens nicht ganz vorne. Zumindest sieht der Spiegel die Stadt bei der Auswertung der neuesten Ernst&Young-Studie auf Platz drei in Deutschland. Klingt dann aber natürlich nicht mehr ganz so dramatisch.

Aber der Jahrhunderttorben muss eingestehen: Er kennt natürlich nicht alle Hintergründe und tatsächlichen Vereinbarungen bis ins Detail. Und im Gegensatz zu anderen tut er auch nicht so als ob. Klar ist nur eins: Auch eine Stadiongesellschaft – gleich ob zu den Gesellschaftern die Stadt Kaiserslautern, das DSF, der Papst oder Ralph Hasenhüttl höchstpersönlich zählen – muss betriebswirtschaftlich richtige Entscheidungen treffen. Und wenn ein zeitlich befristeter Mietnachlass (bis Wiederaufstieg) Option A darstellt, um langfristig Einnahmen zu generieren, Option B aber nur Herrn Ashelm und einem kleinen elitären Kreis unfassbarer Fachmänner bekannt ist, dann bleibt der Stadiongesellschaft im Sinne der Ergebnisoptimierung derzeit nur Option A. Bis Herr Ashelm sein immenses Wissen endlich öffentlich macht.

Und vielleicht ist der Jahrhundettorben auch ein wenig befangen bei der Beurteilung des Gesamtbeitrags. Weil er grundsätzlich niemanden ernstnimmt, der durchblicken lässt, dass er glaubt, zweckgebundene Millionenbeträge lägen beim Kassenwart unterm Kopfkissen. „Aufsichtsratschef Dieter Rombach, ein Software-Professor vom ansässigen Fraunhofer-Institut, redete sich um Kopf und Kragen, als er behauptete, dass die im vergangenen Jahr begebene Fananleihe in Höhe von rund sechs Millionen Euro nur für das Nachwuchsleistungszentrum verwendet würde“, heißt es da. Und tatsächlich: Mit dem Geld wurde einiges vorfinanziert. Aber als kleiner Denkanstoß für all die ökonomisch Hochbegabten, die derzeit glauben, ihren Senf dazugeben zu müssen: Was würde wohl mit einem Vorstand geschehen, der zu einem hohem Zinssatz zusätzliches Geld aufnehmen muss, während sechs Millionen Euro zweckgebunden in einem kleinen Schatzkästchen lagern? Tief unter der Erde? Mit Traumsand bedeckt? Einfach mal eine Bilanz schnappen, ein paar Minuten draufschauen. Dann sollte es jeder verstanden haben…

Und nächste Woche heißt’s dann endlich: Fußball! Auf geht’s Leute!
Versprochen!

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