26. Spieltag/1. und 2. Liga, Teile des 27. Spieltags sind auch schon rum…

Halbe Freude! Oder doch ein bisschen mehr? Wichtig ist ja, was am Ende rauskommt. Also sehen wir’s einfach extrem positiv: Die Torlinientechnik kommt nicht. Erstmal. Aber es war ein dreckiger Sieg, sprich, alles andere als ein überzeugender. Denn auch wenn das Ergebnis stimmt: Die Argumente waren die falschen. Es hat wohl nicht die Fußball-Romantik gesiegt. Sondern die Angst vor zu hohen Kosten. Und jeeeeeetzt – warten schon alle auf Jahrhunderttorbens Lieblings-Nonsens-Spruch sämtlicher Fußball-Kommentatoren-Götter: SEI’S DRUM!

Eben! Denn das Wichtigste ist zunächst mal: Der nächste Schritt zur Verfälschung des Fußballs lässt auf sich warten. Wobei natürlich die Quoten gut stehen, dass in nicht all zu ferner Zukunft irgend ein anderer Blödsinn kommen wird – quasi als Retourkutsche des mittlerweile von DFB, Uefa und Fifa gekauften Fußballgotts dafür, dass den kleinen Fußball-Philosophen nach langer Zeit mal wieder der Anflug eines Lächelns übers Gesicht gehuscht ist. Wir rechnen mal mit dem Schlimmsten. Mit der Einführung des induktiven Abseits (das in Mo Idrissous Fall ja gerne schon angewendet wird). Mit Stadionverboten für Fan-Schal-Träger. Mit Zwangsabstieg für alle Klubs ohne Mäzen. Damit, dass die Lizenzvergabe an den Verkauf der Namensrechte am Stadion gekoppelt wird. Oder damit, dass endlich Schluss ist mit diesem miesen Gegrätsche um Tore und Punkte – und dass die Halbgötter auf Sky und DSF einfach am Ende der Saison intern abstimmen, welche Mannschaften die aufregendsten Spiele geboten, die schönsten Tore erzielt und die linearste Viererabwehrkette arrangiert haben.

Auch wenn an dieser Stelle schon das eine oder andere Mal geschrieben: Schiri-Fehler entscheiden schon immer nicht nur Spiele, sondern sogar Meisterschaften. Es sind aber nicht die ein bis zwei Tor-oder-kein-Tor-Quizfragen pro Saison, die den Bock fett machen, sondern es ist die Summe vieler kleiner Zweikampfbewertungen im Mittelfeld, die so manches Team Punkte kostet. Kleine Ungerechtigkeiten, die keinem Bild-, DSF- oder Brigitte-Fachmann ins Auge fallen.

Nach allem, was dem geneigten Fußball-Freund inzwischen so alles zugemutet wird – von Euro-League-Qualifikation über ein deutsches Clásico bis hin zum Mobilat-Fantalk –, bleiben wir jetzt also zumindest vorerst von Technik verschont. Also so wie Carsten Ramelow oder Jens Jeremies während ihrer gesamten Karriere. Das heißt, mit ein wenig Technik hie und da leben wir ja schon seit einer ganzen Weile. Mit Super-Zeitlupen, die die ständigen Fehleinschätzungen einer Vielzahl der Sky-Moderatoren noch peinlicher erscheinen lassen. Mit Analyse-Touch-Screens für arbeitslose Fußball-Suppenkasper auf DSF. Und in Hoppenheim sogar mit Beschallungsanlagen, die den krakeelenden Fan-Pöbel übertönen. Aber all das zeigt: Technik macht’s nicht zwingend besser (außer vielleicht diejenige, die den Herren Ramelow, Jeremies und auch etlichen anderen so abgegangen ist). Bei all dem fragt sich doch der einigermaßen zurechnungsfähige Fan: Warum nur? Warum? Warum? Und warum war keiner da, der das verhindert hat?

Diesmal war also jemand da. Genauer gesagt waren es 24 der 36 Klub-Vertreter. Die erforderliche Zwei-Drittel-Mehrheit, die es zur Einführung eines Wembley-Tor-Killer-Systems gebraucht hätte, gab’s also für die Gegenseite. Damit sind die Technik-Freaks nicht wirklich ganz knapp gescheitert; im Vorfeld hatten einige eine klare Mehrheit für das noch nicht einmal von Technick abgenickte Funktionärsspielzeug erwartet, aber nur, weil ihnen eine Fehlfunktion an ihren Taschenrechnern übel mitgespielt hatte. Kopfrechnen führt eben doch zu den besten Ergebnissen.

„Offenbar ist die Bundesliga im Jahr 2014 noch nicht reif für dieses wichtige und richtige Instrument im modernen Profifußball“, sagt Alexander Rosen, der Sportdirektor der altehrwürdigen Hoppenheimer TSG, die – natürlich – pro Technik gestimmt hat. Da weiß man mal wieder nicht – wie so oft, wenn sich Vertreter dieses Projekts äußern – wie vielen armen, hungernden Menschen man sämtliche verfügbaren Nahrungsmittel wegessen müsste, um genug Unterlage zum Kotzen zu haben. (Einschub: Der Verdacht liegt also durchaus nahe, dass weltweiter Hunger und Armut die tatsächlichen Ziele der TSG 1899 Hoppenheim sind.) Mag aber sein, dass man das nur so sieht, wenn man – wie der Jahrhunderttorben – anscheinend noch gar nicht reif für den modernen Fußball ist. Die Sportart, die uns seit Kindertagen begleitet, die zählt dazu, die war nie bereit und wird nie reif sein, sich im modernen Fußball aufzulösen, Herr Rosen!

Thomas Tuchel, das wandelnde Antonym zu Fußballkompetenz, befindet: „Für mich ist das eine völlig unverständliche Entscheidung. Den Grund dafür will ich gar nicht wissen und würde ihn auch nicht verstehen.“ Nein! Das können wir uns nicht vorstellen! Thomas Tuchel versteht etwas nicht? Der Mann, der im vergangenen April – nach dreieinhalb Jahren Arbeit als Bundesligatrainer – überzeugt behauptet hat, jeder Spieler, der einen Elfmeter verschuldet, müsse zwangsläufig mindestens die gelbe Karte sehen? Der soll etwas nicht verstehen? Nein, nicht zu glauben… Und dass sich dieses Fußball-Lexikon auf zwei Beinen als begeisterter Technik-Lobbyist outet, sollte allen Fürsprechern der Torlinientechnik zu denken geben…

Übrigens: Stefan Kießlings Phantomtor in Hoffenheim, so haben wir uns von zahlreichen Medien sagen lassen, habe das Ganze erst wieder mit voller Wucht aufs Parkett geschleudert. Aha, weil’s alle Schaltjahr mal vorkommt, machen wir’s zum Thema!? Dann gibt’s hier einige weiterführende Vorschläge, die kaum weiter hergeholt sind: Nach Bibiana Steinhaus’ (Hannover) schwacher Vorstellung (welch ein Euphemismus!) als Leiterin der Partie zwischen Lautern und Aalen vor einigen Wochen sollten wir darüber nachdenken, ob das mit Frauen im Fußball tatsächlich so funktioniert. Nachdem Peter Gagelmann (Bremen) am vergangenen Spieltag mal eine fast einwandfreie Schiedsrichterleistung geboten hat, sollten wir in Erwägung ziehen, sämtliche Schwerverbrecher auf freien Fuß zu setzen, weil ja anscheinend doch bei jedem ein Fünkchen Hoffnung besteht. Und nach dem wieder mal überlegenen, aber diesmal noch viel überlegeneren Titelgewinn der Bayern sollten sich einfach alle Vereine einen Boss suchen, der weiß, wo er über Jahrzehnte das Geld anlegen kann. In 20, 30 Jahren sind dann vielleicht alle auf Augenhöhe.

Genau, da war noch was: Bayern ist Meister, das ist jetzt amtlich. Und um ihr Revier zu markieren, machen Pandabären einen Handstand und urinieren dann – so hoch sie können – an einen Baum.

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