29. Spieltag/1. und 2. Liga

In dieser Woche heißt’s: „Kicker“ kaufen! Denn Top-Thema des früheren Fußballfachmagazins ist laut Ankündigung: „der deutsche ,Clasico’”. Gut, dass das mit dem Clasico, Clásico oder was auch immer abgrundtiefer Nonsens ist, das haben wir für unsere schnuckelige kleine, bisweilen familiäre, aber intellektuell um Längen überlegene Fußballphilosophie-Gemeinde ja bereits in der Hinrunde geklärt (und zwar genau hier: 13. Spieltag). Interessant aber wird es sein zu erfahren, wieso das arme spanische Wort nicht nur die Schmach ertragen muss, von heute auf morgen statt feuriger Katalanen und Madrilenen plötzlich spießbürgerliche Münchner und sozialschwache Dortmunder zu umfassen, sondern jetzt auch noch per kickerlichem Dekret den spezifischen Artikel „der“ zugeordnet bekommt.

Wir bleiben hier bei „das Clásico“ – wie es bei eingedeutschten Worten zunächst mal den mit Abstand größten Sinn ergibt. Aber ist das Wort überhaupt bereits eingedeutscht? Und hatten wir uns nicht darauf geeinigt, dass – so das Wort denn jemals eingedeutscht werden sollte – es jeder Vernunft widerspricht, es für die Partie zwischen Bayern und dem BVB zu verwenden? Doch, so war es. Also bleiben wir bei dem, was wir schon vor viereinhalb Monaten der Möchtegern-Fußbal-Welt vor Augen geführt haben: Am Samstag steigt kein Clásico, sondern maximal der Spitzenspiel!

Obwohl’s nun wirklich genügend Wichtigeres zu besprechen gäbe, können wir uns einen kleinen Ausblick natürlich nicht verkneifen. Die Ausgangslage ist klar: Den in der Breite deutlich stärkeren Kader haben die Doofmunder. Während der BVB mit Oliver Kirch und Milos Jojic Real Madrid vom Platz gefegt hat, haben die Bayern mit ihren Edelreservisten Mitchell Weiser und Ylli Sallahi in Augsburg kein Land gesehen. Für alle, die den zweiten Namen noch nicht gehört haben: Ylli Sallahi spielte hinten links auf der David-Alaba-Position und ist Österreicher. Merke: Einösterreichischung (nicht nachschlagen!) ist Einstellungsvoraussetzung für Linksverteidiger beim FCB. Wer ganz sicher gehen will, dass er bei den Bayern unterkommt, der bewirbt sich am besten als „eingebürgerter Österreicher mit latentem Hang zu kriminellen Handlungen“ – dann bringt man gleich zwei gern gesehene Attribute mit. Allerdings muss man schon ein wenig kreativ sein, die Felder Steuerhinterziehung, Brandstiftung, Sex mit Minderjährigen und Uhrenschmuggel sind in und rund um die Arroganz-Arena bekanntermaßen bereits besetzt.

Zwei Aspekte stechen bei dieser Analyse ebenfalls ins Auge: 1.) Wer’s in Lautern nicht packt, spielt halt Champions League (Oliver Kirch schon zum dritten Mal, diesmal 90 Minuten gegen die Königlichen, Mitchell Weiser vielleicht demnächst gemeinsam mit Ylli Sallihi). 2.) Quervergleiche sind wirklich völlig sinnlos und haben selten auch nur die geringste Aussagekraft (man erinnere sich an den legendären Dreisatz aus der Zweitliga-Spielzeit 07/08: Wenn Rostock Koblenz mit 9:0 vom Platz fegt und Koblenz wiederum den FCK 5:0 deklassiert, dann endet natürlich die Partie Lautern gegen Rostock…eben, 6:0!). Also machen wir munter weiter damit: Coach Kosta hat in Kaiserslautern 34 Punkte aus 22 Spielen geholt. Das entspricht einem Schnitt von 1,55 Zählern pro Spiel. Mit acht A-Nationalspielern im Zweitligakader. Ralph Hasenhüttl hat mit dem FC Ingolstadt in 19 Partien fast den gleichen Punkteschnitt geholt (1,53). Mit Leon Jessen, Malte Metzelder und Christoph Knasmüllner. Nur mal so.

Und eins noch: Sebastian Mielitz verlässt den SV Werder. Beziehungsweise muss den Verein verlassen, weil der nach Mielitz’ konsequent durchgezogener Mindestens-drei-total-belustigende-Pannen-pro-Spiel-Serie den auslaufenden Vertrag nicht verlängern wollte. Allerdings spricht der 24-Jährige von Angeboten „aus der Bundesliga und dem Ausland“, die ihm vorliegen sollen. Wer sich an Mielitz’ letzte Auftritte als Stammtorhüter in der Hinrunde erinnert, kann den Kreis der Interessenten einschränken: Aus der Bundesliga sind es vermutlich THCC Rot-Gelb Hamburg (Cricket-Bundesliga Nord), Brauweiler Raging Abbots (Softball-Bundesliga), SG Freibauer Lübbecke (Fernschach-Bundesliga) und Südfrüchtle Konstanz (Skat-Bundesliga Damen). Bei den interessierten Klubs aus dem Ausland dürfte es sich handeln um Błękitni Ołobok (derzeit Elfter der polnischen Klasa okręgowa (Kreisebene), grupa: Zielona Góra) und Le Pertre Brielles 4 (aktuelles Schlusslicht der Gruppe G im District 5 des französischen Fuballbezirks Ille-et-Vilaine, Torverhältnis: -28).

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